Hellere Tage

Roman
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Buchprofile - Rezension
Eine Philosophin sucht Orientierung inmitten persönlicher Veränderungen.
Ruths Vater stirbt im hohen Alter. Bei der Wohnungsauflösung stößt sie auf Liebesbriefe an ihn, die bezeugen, dass er vorehelich (in den 1960er Jahren) eine intensive homosexuelle Beziehung führte und der Briefschreiber danach als Dramaturg in Ostberlin tätig war. Diese Erkenntnis drängt die Gedanken der Tochter an ihren Vater, ihre Mutter und an die eigene Vergangenheit in neue Dimensionen. Obwohl sie dies gerade gar nicht brauchen kann: Die Aufdeckung ihres Anschlags auf einen Strommast in den 80er Jahren kostete die Mitfünfzigerin ihren Ruf in den Ethikrat, eine einvernehmlich verabredete Herabstufung ihrer wissenschaftlichen Position folgte, dann die Trennung von ihrem Mann. Der Tod des Vaters und dessen Erbe, das u.a. in einer Immobilie mit dem Exmann steckt, bringt neue Emotionen zutage, die natürlich auch das Leben der Stieftochter und die Sorge der Eltern um sie berühren. Und da ist auch noch Ruths Sehnsucht nach Geborgenheit, Sehnsucht nach körperlicher Liebe mit oder ohne feste Bindung. Daneben kosten die beruflichen Aufgaben als Philosophieprofessorin an der Humboldt Universität scheinbar kaum Kraft, auch weil daraus keine berufliche Perspektive mehr entstehen kann. – Woelks Roman knüpft nahezu unmittelbar an den Vorgängertitel „Mittsommertage“ (BP/mp 23/1028) an. Im bekannt hohen Erzähltempo mit zahlreichen bereichernden Alltagsdetails des aktuellen Lebens gelingt es Woelk, die Konfrontationen des persönlichen Lebens einer Frau mit ihrer denkerischen Berufspraxis spannend zu schildern. – Gerne empfohlen.
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Artikelbeschreibung

Was bleibt, wenn alles sich verändert?

Ulrich Woelk führt seine Heldin durch eine Phase existenzieller Umbrüche und erzählt mit literarischer Eleganz vom Wandel der Werte und der Suche nach Nähe. Sein Roman ist das überzeugende Portrait einer Generation, die fühlt, wie ihre Distanz zur Gegenwart wächst, und ein Gesellschaftsroman, der die aufgeheizte Realität seiner Zeit widerspiegelt - klug und feinfühlig.

Ruth, Professorin für Philosophie an der Humboldt-Universität, lebt in Berlin-Moabit. Ihre Ehe mit Ben ist Vergangenheit, die Beziehung zu seiner Tochter ist zerbrechlich und doch voller Nähe. Ihre Studentinnen und Studenten scheinen von Jahr zu Jahr jünger zu werden, der wachsende Abstand zu ihnen beunruhigt Ruth ebenso wie die Spaltung der Gesellschaft. Dann tun sich auch im Privaten, der sicher geglaubten Vergangenheit, Risse auf: Der Tod ihres Vaters konfrontiert Ruth mit einem Familiengeheimnis, das ihre Identität erschüttert. Mit feinem Gespür und großer Empathie zeichnet Woelk das Porträt einer Frau, die sich den Fragen ihrer Zeit stellt. Hellere Tage ist ein kluger, berührender Gesellschaftsroman über Generationen, Identität und den Wunsch, uns zugehörig zu fühlen - ein literarischer Spiegel unserer Gegenwart.

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Personeninformation

Ulrich Woelk lebt als freier Schriftsteller in Berlin. Er studierte Physik und Philosophie. Sein erster Roman "Freigang" erschien 1990. 2019 veröffentlichte er mit großem Erfolg den Roman "Der Sommer meiner Mutter", der auf der Longlist des deutschen Buchpreises stand und in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Sein Romanprojekt "Für ein Leben" wurde mit dem Alfred-Döblin-Preis ausgezeichnet.

Pressestimmen

"Ein Krisenroman über die seelischen Schieflagen und Verdrängungen einer arrivierten ... mit psychologisch genauen Beobachtungen und hoher erzählerischer Präzision"
Deutschlandfunk Büchermarkt, Christoph Vormweg

"Eine großartig erzählte Geschichte von der Sehnsucht nach Zugehörigkeit in einer Zeit der wankenden Gewissheiten."
BR24, Sabine Zaplin

"Es gibt nicht viele Autoren in unserem Land, die unser Gesellschaftsleben ohne Dramatik, schnörkellos und sehr fein beobachtet beschreiben können. Das ist Woelks spezielle Begabung: vom normalen Leben der gehobenen Mittelschicht so zu erzählen, dass man sich spiegelt im Text, etwas dazulernt und nicht zuletzt bestens unterhalten wird."
NDR Kultur, Annemarie Stoltenberg

"Die Figuren ... wirken cool und verunsichert zugleich, sie suchen Nähe und halten sich nicht aus ... Ein ebenso spannender wie aktueller Roman."
tip Berlin, Maria Bauer

"Sehr gegenwärtiger Roman"
Deutschlandfunk Kultur Lesart, Andrea Gerk

"Wer die Bücher von Elizabeth Strout mag, findet in Ruth so etwas wie die deutsche Lucy Barton."
Rheinische Post, Philipp Holstein

"Ein lesenswerter Text, der viele ethische Fragen stellt, unter anderem nach dem Preis, den wir für unsere Träume und Ideen zahlen ... Das macht aus 'Hellere Tage' eine spannende Lektüre, mit der Woelk sein Talent zur tiefen Einfühlung in Figuren und den Blick für die Reibungspunkte im Privaten wie auch im Öffentlichen einmal mehr ausstellt."
Buch-Haltung.com, Marius Müller

"Woelk schreibt gekonnt und mit erzählerischer Präzision eine Geschichte weiter zwischen einem Familiengeheimnis und den gesellschaftlichen Umbrüchen der Berliner Republik."
Aachener Zeitung, Christina Merkelbach
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