Sommerrätsel 2024
Bete, arbeite, lies' – und dann genieß' eine süffige Halbe!
In der letzten Folge des diesjährigen Sommerrätsels besuchen wir einen Ort, an dem viel gebetet, gearbeitet und gelesen wird – doch auch Naturgenuss, Erholung und Kulinarik kommen dort nicht zu kurz.
Im Innenhof des gesuchten Klosters richten sich alle Blicke auf den Turm der Klosterkirche. Foto: © Burghardt/SMB
„Ein herzliches Grüß Gott – Ora et labora et lege“, so wird man auf der Internetseite der kirchlichen Sehenswürdigkeit begrüßt, die wir zum Abschluss unseres Sommerrätsels suchen. Mit dem lateinischen Leitspruch aus der Regel des heiligen Benedikt – auf Deutsch „Bete und arbeite und lies!“ – ist auch schon verraten, dass es sich um eine benediktinische Einrichtung handelt. Genauer gesagt: Gesucht ist ein Kloster, in dem knapp ein Dutzend Benediktinermönche beten, arbeiten und lesen.
Ihre Ursprünge gehen auf das 11. Jahrhundert zurück: Eine Gräfin namens Haziga überließ um 1076 in der Bayrischzeller Gegend den Eremiten Otto und Adalprecht ein Stück Wald zur Gründung einer Einsiedelei. Schnell wurde aus dieser „Urzelle“ unter Mithilfe des Klosters Hirsau ein eigener Konvent, der zunächst nach Fischbachau, dann auf den Petersberg im Dachauer Land umsiedelte. 1119 schließlich verließ der Wittelsbacher Graf Otto V. seine nicht weit entfernt gelegene Stammburg und ermöglichte deren Umwandlung in ein Kloster. In dieses zog unsere Ordensgemeinschaft schließlich ein letztes Mal um – und befindet sich bis heute dort.
„Dort“, das ist ganz am nördlichen Rand des Erzbistums München und Freising, in den Ausläufern des Hopfenanbaugebiets der Hallertau und in direkter Nachbarschaft zur Stadt Pfaffenhofen an der Ilm, die schon zum Bistum Augsburg gehört. Zugleich sind das Bistum Regensburg nur 9 Kilometer, das Bistum Eichstätt lediglich 24 Kilometer entfernt – weswegen man mit Fug und Recht behaupten darf, dass unser gesuchtes Kloster als spirituelles Zentrum in (mindestens!) vier verschiedene Bistümer ausstrahlt.
Die wohl größte Kostbarkeit innerhalb seiner Mauern stellt eine Kreuzesreliquie dar, die zur Zeit der Kreuzzüge im 12. Jahrhundert über die Grafen von Dachau in die Abtei kam und heute in einer Seitenkapelle der Klosterkirche aufbewahrt und verehrt wird. Die Fassung der Reliquie hat die charakteristische Form des byzantinischen Patriarchenkreuzes mit zwei Querbalken. Zu verschiedenen Gelegenheiten, etwa beim zweimal jährlich gefeierten Kreuzfest, besteht die Möglichkeit, sich das Kreuz mit der Reliquie persönlich auflegen zu lassen und einen Segen zu erhalten.
„Hell“ ist hier keine englische Anspielung auf die Hölle, sondern eine gutmütige Biersorte. Foto: © imago/Dreamstime
Aber was wäre dieser tief geistlich gepägte Ort ohne eine auch weltliche, ja genießerische Seite? Vom Hopfen war ja schon die Rede – und tatsächlich, unser Kloster blickt auch auf eine lange Brautradition zurück. Seit 1119 und damit seit erster Stunde wird hier Bier gebraut, weswegen man die These aufstellen könnte, dass es sich (nach der Klosterbrauerei Weltenburg) womöglich um die zweitälteste Klosterbrauerei der Welt handeln könnte. Und noch viel mehr Gschmackiges und Gehaltvolles produzieren die zahlreichen Betriebe unseres gesuchten Klosters: Fleisch und Wurst in der Metzgerei, Brände aus eigenem Obstanbau in der Brennerei, Käse von der eigenen Ziegenherde, Karpfen aus den eigenen Teichen … Nicht zu vergessen der Wald, den die Mönche seit alter Zeit auf nachhaltige Weise bewirtschaften.
Besteht da noch der geringste Zweifel, dass es sich hier gut aushalten lässt, ja dass sich hier Landschaft, Glaube und Kultur zu einem harmonischen Ganzen vereinen? Auch Joseph Ratzinger wusste das und kam vor seiner Papstwahl über 20 Mal hierher, um Urlaub zu machen, in der Bibliothek zu schmökern und Spaziergänge zu unternehmen. Ihm zu Ehren ist eine Wanderroute als Benediktusweg ausgeschildert. Wenn Sie in des Kardinals Fußstapfen treten wollen, es nicht eilig haben und ein Mann sind, ist vielleicht das Klosterangebot „Urlaub einmal anders“ etwas für Sie. Da heißt es dann Beten, Arbeiten, Lesen – na, und für einen Besuch im Bräustüberl wird schon auch Zeit sein...
Lösung: In der fünften und letzten Rätselfolge war nach dem Kloster Scheyern gefragt, einer Benediktinerabtei ganz im Nordwesten des Erzbistums München und Freising.



