Was ist ein gutes Spiel?

Kriterien bei der Spielauswahl

Genauso wie die Entscheidung für ein Buch oder ein Kleidungsstückes ist die Auswahl eines Spieles immer eine subjektive Entscheidung. Kinder und auch Erwachsene lassen sich vornehmlich von der Verpackung, der Aufmachung des Kartons und der Kurzbeschreibung animieren, wobei persönliche Vorlieben eine Rolle spielen.

Oft lässt sich ein Kind aber beeinflussen von den Bewertungen seiner Alterskameraden. Sie haben von einem Spiel in Gesprächen gehört oder sogar bei einem Freund oder einer Freundin ausprobiert. Immer häufiger kennen Kinder Spiele aus der Fernsehwerbung oder aus Prospekten.

Trotzdem gibt es natürlich auch einige objektive Kriterien. Da ist zunächst die Spielidee: Ist sie originell oder nur einem bekannten Vorbild platt nachgemacht? Lässt sich das Spiel tatsächlich spielen oder ist es zu kompliziert oder langwierig? Und schließlich der Spielwert: Ist der Weg zum Sieg pädagogisch sinn- und wertvoll, etwa dadurch, dass der Gewinn nur erreicht werden kann, wenn man sich mit anderen Spielerin arrangiert, anstatt sie zu bekämpfen.

Keine Spielfreude ohne Regeln - diese Erkenntnis fällt Kindern leichter als Erwachsenen. Umso mehr müssen die Spielregeln einsichtig und verständlich sein. Die Regelgestaltung eines guten Kinderspieles ist eines der wichtigsten Kriterien. Wer schon einmal beobachtet hat, wie kleine Spieler über Regeln und Regelverstöße diskutieren, kann einschätzen, wie wichtig ein durchkonzipierter Regelaufbau ist.

Wer sich nicht auskennt, merkt leider erst beim Öffnen des Kartons, ob ein Spiel etwas taugt oder nicht. Darum sollte man sich ein Spiel empfehlen lassen oder, wenn dies möglich ist, das Spiel ausprobieren, etwa bei Freunden oder indem man sich ein Spiel in einer Bücherei ausleiht.

Von Melanie Dirauf, Diplom-Bibliothekarin und Mitarbeiterin des Sankt Michaelsbundes in Bamberg